­čÉó Ung├╝nstig gestartet?

Auch wenn der Start nicht vorbildlich war, ist es nie zu sp├Ąt, es zum Positiven zu ver├Ąndern. Wir erkl├Ąren dir, wie das geht.

­čÉó Ung├╝nstig gestartet?

Auch wenn der Start nicht vorbildlich war, ist es nie zu sp├Ąt, es zum Positiven zu ver├Ąndern. Wir erkl├Ąren dir, wie das geht.

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Es sollte nicht passieren, und doch geh├Ârst auch du dazu. Wahrscheinlich bist du selbst betroffen, sodass du deswegen diese Seite hier gefunden hast oder dorthin verwiesen wurdest. Oder aber du kennst jemanden, f├╝r den es interessant sein k├Ânnte.

Worum geht es hier? 

So manch einem frisch gebackenen Schildkr├Âtenhalter ist es nicht gelungen, sofort in die artgerechte Haltung zu starten. Meist ist es die Folge falscher Beratung, ├╝berwiegend leider werden die meisten im Zoofachhandel falsch beraten. Wobei das Wort “beraten” eigentlich gar nicht den Namen verdient hat. Aber das ist eine andere Geschichte.┬á

Klassische, ung├╝nstige Haltungsform

Andere Neueinsteiger wurden stattdessen beim Z├╝chter falsch beraten. Obwohl man meinen sollte, dass ein solcher mit Liebe und einem guten Wissen ├╝ber die Haltung z├╝chtet, ber├Ąt und verkauft, so gibt es auch unter den Z├╝chtern leider zunehmend jene, die ung├╝nstige Bruttemperaturen verwenden, zur ung├╝nstigen Jahreszeit verkaufen und allgemein Vers├Ąumnisse in Zucht, Haltung, Beratung und/ oder Vorbildfunktion an den Tag legen. Ein Video zum vorbildlichen Z├╝chter gibts hier.

Was bedeutet “falsch beraten”?

Falsch zu beraten bedeutet, dass dies einerseits zum Vorteil des Verk├Ąufers ist, w├Ąhrend das Tierwohl hinten angestellt wird, andererseits kann eine falsche Beratung auch aufgrund dessen entstehen, dass man Unwohlsein von Schildkr├Âten leicht ├╝bersehen kann und m├Âchte und/ oder manche Haltungsformen nachmacht, ohne sie selbst hinterfragt zu haben. Nicht all falsche Beratung muss also bewusst und somit fahrl├Ąssig sein. W├Ąhrend der gewerbliche Verk├Ąufer meist auf Basis wirtschaftlicher Interessen “ber├Ąt”, so ist eine falsche private Haltung meist auf Basis des bequemsten Weges gebaut. Da Schildkr├Âten still und lange leiden, ohne Mimik zu zeigen, laut zu sein oder dem Halter aggressiv gegen├╝ber zu werden, also sich zu wehren, so wird gerne behauptet “Ich mache das schon xy Jahre so und es geht den Tieren gut“.

Die falsche “Beratung” bedeutet, dass die artgerechte Haltung in den Hintergrund r├╝ckt, w├Ąhrend der bewusste oder unbewusste Vorteil des Menschen ├╝berwiegt.

Was bedeutet “artgerecht” oder “nicht artgerecht”?

Artgerecht bedeutet, der Art gerecht zu werden. Wikipedia beschreibt es genau richtig:
Artgerechte Haltung bezeichnet Formen der Tierhaltung, bei denen an die urspr├╝nglich nat├╝rlichen Lebensbedingungen der Tiere erinnert wird und auf bestimmte angeborenen Verhaltensweisen der Tiere R├╝cksicht genommen wird.”

 

Und genau so ist es auch. Das hei├čt, um Schildkr├Âten artgerecht halten zu k├Ânnen, m├╝ssen wir einen Blick in die nat├╝rlichen Lebensr├Ąume werfen und versuchen, diese nachzuahmen. Das gelingt nat├╝rlich nicht zu 100%, aber man kann versuchen, da ran zu kommen. Manchmal ist es aber dennoch n├Âtig, unnat├╝rlich einzugreifen, um die Gesundheit unserer Lieblinge aufrecht zu erhalten, zum Beispiel indem wir sie vor Feinden sch├╝tzen oder bei hochgradigem Befund entwurmen.┬á

Wie sieht eine naturnahe Haltung aus? Erst einmal brauchen wir die Natur selbst, also Wetter, Jahreszeiten, Sonnenschein, n├Ąchtliche Temperaturabsenkung, Temperatuschwankungen und die Vielzahl an Wildkr├Ąutern, welche die Schildkr├Âten sich selbst suchen m├╝ssen. Je nach Stadium und Jahreszeit ver├Ąndern sich die Inhaltsstoffe der Pflanzen, sehr zum Vorteil f├╝r eine gesunde Ern├Ąhrung. Das hei├čt, bei diesen Faktoren, also Temperatur, Wetter und Ern├Ąhrung, k├Ânnen wir schon erste typische Haltungsfehler erkennen. N├Ąmlich dass man bei einer Innenhaltung weder Wetter hat noch echte Sonne┬ánoch eine n├Ąchtliche Temperaturabsenkung. Zudem wachsen drinnen keine Wildkr├Ąuter, man muss zuf├╝ttern und schr├Ąnkt damit die Vielzahl ein.┬á

Oft wird bei der Innenhaltung auf Salate, Obst, Gem├╝se usw. zur├╝ck gegriffen. Aber hat das etwas mit der Natur zu tun? Nein, denn in den Lebensr├Ąumen, also der Macchie und Garigue, w├Ąchst so etwas nicht. Was also im nat├╝rlichen Lebensraum nicht w├Ąchst, bekommen auch unsere Schildkr├Âten nicht.

Und wie sieht es mit der Winterstarre aus? Auch hier werfen wir einen Blick in den nat├╝rlichen Lebensraum. Werden in Sachen Starre junge von alten Tieren unterschieden? Oder gibt es Unterschiede nach Gewicht? Nein. Alle Schildkr├Âten, egal wie alt oder schwer sie sind, gehen in die Winterstarre. Also verzichten wir auch in Gefangenschaft nicht darauf.

Eine artgerechte Haltung bedeutet also, sich am nat├╝rlichen Lebensraum zu orientieren und dies nachzuahmen. Das bedeutet, wir nutzen die Natur vor unserer Haust├╝r. Ein Freigehege, welches abwechslungsreich gestaltet ist, ist die Basis. Da wir hier aber kein mediterranes Klima haben, m├╝ssen wir unnat├╝rlich nachr├╝sten. Die Technik selbst ist zwar unnat├╝rlich und mancher wird sagen “in Griechenland h├Ąngen auch keine W├Ąrmelampen herum”, aber es geht ja darum, die Temperaturen zu schaffen, die wir hier klimabedingt nicht haben. Mit der unnat├╝rlichen Technik ahmen wir also nat├╝rliches Klima nach. Diese Technik f├Ârdert also Gesundheit und ist wichtig im Rahmen einer artgerechten Haltung.

Und was macht man nun, wenn man falsch gestartet ist?

Geh├Ârst du zu denen, die vielleicht eine Schildkr├Âte im Terrarium h├Ąlt? Oder geh├Ârst du zu denen, die im Winter eine Schildkr├Âte geschenkt bekam, die weder Winterstarre h├Ąlt noch eine Au├čenhaltung nun m├Âglich ist?

Dann m├╝ssen wir schauen, daraus das Beste zu machen. Wenn du dich gerade in den Wintermonaten befindest oder im sp├Ąten Herbst, dann ist eine Innenhaltung momentan leider besser als wenn du von jetzt auf gleich die Schildkr├Âte raus setzen w├╝rdest. Du musst die Zeit nun drinnen ├╝berbr├╝cken. Aber auch hier gilt es, nicht auf das sch├Ądliche Terrarium zur├╝ck zu greifen sondern m├Âglichst ein St├╝ck Natur ins Haus zu holen. Das bedeutet, statt ein Terrarium oder Gehege mit hohen Seitenw├Ąnden verwendest du ein sogenanntes Zimmergehege. Wie das geht, siehst du im Video.

Wenn deine Schildkr├Âte gesund ist und sich ca. 2 Wochen eingelebt hat, darfst du sie je nach Jahreszeit auf die Winterstarre vorbereiten. Das gelingt besser, wenn dein Gehege in einem k├╝hlen Raum steht, zum Beispiel im Schlafzimmer. Hier musst du nun in 3-4 Wochen die Temperatur so weit senken, dass du am Ende bei m├Âglichst unter 8┬░C angekommen bist. Falls das nicht m├Âglich ist, gelingt die letzte Etappe z.B. im Keller. Die Brenndauer der Lampen wird ebenfalls nach und nach gesenkt. Am Ende bist du bei 1 Std. am Vormittag angekommen.

Die genaue Beschreibung findest du in Videos und diversen B├╝chern.

Die Winterstarre darf auch eingeleitet werden, wenn sie erst beispielsweise im Januar oder Februar beginnen w├╝rde. Besser nur 4-8 Wochen starren (also verk├╝rzt) als komplett drauf zu verzichten.

Ideal w├Ąre, wenn die Schildkr├Âte nach der Winterstarre direkt ihr Freigehege mit beheiztem Fr├╝hbeet beziehen d├╝rfte, ohne zwischendurch drinnen zu verweilen.

Wenn du die Schildkr├Âte hingegen im Fr├╝hjahr oder Sommer bekommen hast, dann ist die Sache schon etwas einfacher. Als erstes steigst du auch hier auf das Gehege um, statt das Terrarium zu verwenden. Je nach Wetter kannst du ein fahrbares Gehege verwenden, welches bei Sonnenschein nach drau├čen auf deine Terrasse gerollt wird.

Parallel dazu gestaltest du ein Freigehege mit beheiztem Fr├╝hbeet. Deine Schildkr├Âte darf dann dorthin umziehen, ohne dass man hier sie langsam dran gew├Âhnen muss. Da es aber im Haus warm ist, w├Ąre es von Vorteil, die Schildkr├Âte mittags ins Fr├╝hbeet zu setzen. Dann ist es warm, es findet kein gro├čer Temperaturunterschied statt und die Schildkr├Âte hat vor Einbruch der D├Ąmmerung noch Zeit, sich ihre Versteckpl├Ątze zu suchen und erste Orientierung vorzunehmen.

Zusammen gefasst bedeutet es: Es ist nie zu sp├Ąt, eine Haltung zum Positiven zu ver├Ąndern. Je nach Jahreszeit und Vorgeschichte kann man die Schildkr├Âten sofort nach drau├čen umziehen oder aber muss mittels Innenhaltung k├Ąltere Wochen ├╝berbr├╝cken. Bitte keine Pinienrinde oder Buchenhack verwenden sowie Heu oder Sp├Ąne. Auf ein Terrarium sollte sofort verzichtet werden, ebenso wie auf Obst, Tomate und Gurke. Salate sind lediglich an frostigen Tagen als Notl├Âsung in Ordnung (kein Eis- und Kopfsalat). Die Winterstarre ist wichtig, je nach Jahreszeit ist es sinnvoll, dies noch einzuleiten. Bei falscher Haltung in den Fr├╝hjahrs- und Sommermonaten darfst du gerne flei├čig am Gehege basteln. Es kommt zwar nicht auf paar Tage Verzug an, aber dennoch gilt, je fr├╝her eine Au├čenhaltung m├Âglich ist, desto besser. Bei unterschiedlichen Meinungen frage dich stets, welche davon naturnaher ist. Denn der nat├╝rliche Lebensraum gilt immer als Vorbild.

In Sachen Winterstarre m├Âchte ich noch erg├Ąnzen, dass es sich um europ├Ąische Arten handelt. Tropische Arten werden nicht ├╝berwintert und die Haltung generell unterscheidet sich stark von den “Europ├Ąern”.

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