Zutrauliche Kegelrobbe auf Sylt

Viele Jahrzehnte war "Willi" die Touristenattraktion, weil sie sich im Hörnumer Hafen füttern ließ. Ein paar Worte zu ihr und unserer persönlichen Meinung zur Fütterung von Wildtieren.

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Zutrauliche Kegelrobbe auf Sylt

Viele Jahrzehnte war "Willi" die Touristenattraktion, weil sie sich im Hörnumer Hafen füttern ließ. Ein paar Worte zu ihr und unserer persönlichen Meinung zur Fütterung von Wildtieren.

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Die Kegelrobbe ist Deutschlands größtes Raubtier. Männchen können bis zu 2,3 m lang werden und über 200 kg wiegen, während Seehunde deutlich kleiner und schlanker sind. Die Kegelrobbe verdankt ihren Namen dem kegelförmigen Kopf. Männchen haben ein dunkelgraues Fell mit hellgrauem Fleckenmuster, Weibchen ein hellgraues Fell mit dunklem Muster.

Ines Kosin besuchte regelmäßig ihre Großeltern auf Sylt, in den 80er und 90er Jahren war es dort noch recht ruhig und fast familiär. Ein Highlight war die Regelrobbe Willi, welche außerhalb des Winters seit 1991/1992 gern in den Hafen geschwommen kam, um aus sicherer Entfernung, und doch fast “zum Greifen nah”, sich von den Touristen füttern zu lassen. Anfassen konnte und sollte man sie nicht, aber diese Robbe schmückte als beliebtes Fotomotiv zahlreiche Privatfotoalben und schaffte es in diverse Medien. Bis 2020 kam sie dorthin geschwommen, ehe sie dann verstarb. Zumindest vermutet man es, denn gefunden habe man sie zwar nie, doch den Hafen besucht sie nicht mehr. Stattdessen hat die Robbe “Sylta”, welche seit 2017 sich von Willi begleiten lassen hat, nun die Herzen der Besucher erwärmt.

Körperlänge: W. 170 – 180 cm, M. 200 – 230 cm
Gewicht: Weibchen: 130 – 150, Männchen: 200 – 300 kg
Lebenserwartung: 20 Jahre
Verbreitung: Island, Großbritannien, Grönland, Kanada, Deutschland
Lebensraum: Meer, Küste
Artbestand: ca. 300.000

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Raubtiere
Familie: Hundsrobben
Gattung: Halichoerus
Art: Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Unter Tierschützern wird Fall der Fütterung nicht gern gesehen, denn das Füttern sorge nicht nur für Überfütterung, sondern reduziere auch den Jagdtrieb. Wir selbst konnten beobachten, dass früher zumindest die Fütterung etwas naturnaher war, denn die Fische, welche man für diesen Zweck gleich neben dem Hafen kaufen konnte, waren zu Anfangszeit als Ganzes verfügbar. Im Laufe der Zeit hat man, warum auch immer, die Fische ausgenommen, eben so, wie man es auch für den menschlichen Verzehr vorsieht. Fische der Tierwelt zu verfüttern, welche nur noch halb vollständig sind, ist sicherlich nicht gesundheitsfördernd. Dass der Jagdtrieb reduziert wird, das ist unumstritten, doch auch die Nahrung selbst hat große Auswirkung auf Gesundheit und Krankheit.  Dennoch muss man festhalten, dass Kegelrobben in der Regel eine Lebenserwartung von 20-25 Jahren hat. Willi besuchte rund 30 Jahre lang den Hafen, … und unter ständiger Beobachtung, sicherlich auch von dem ein oder anderen Tierschützer, konnte bisher -soweit von außen sichtbar- keine Krankheit festgestellt werden. 
Wir wollen hierbei das Füttern wilder Tiere nicht schön reden, aufgrund der Masse an Touristen war die Fütterung sicherlich nicht vorbildlich. Dennoch war Willi weiterhin ein Wildtier, sie schwamm durch die Meere und hat sich jedes Jahr liebevoll um ihre Nachkommen gekümmert. Insofern war ihr Leben deutlich naturnaher als so manche Tiere in Zoos oder Auffangstationen.  “Interessant” ist auf jeden Fall, dass Tierschützer die Fütterung einer einzigen Kegelrobbe als fahrlässig bezeichnen, während zeitgleich die Fütterung aller Singvögel als sehr wichtig eingestuft wird (statt alternativ die Ursache statt das Problem der Nahrungsknappheit zu behandeln), und aus unserer Sicht sind so manche Wildvogelfutterangebote alles andere als artgerecht.

Wir denken, wie so oft im Leben, dass der Mittelweg der richtige ist und man viele verschiedene Aspekte einfließen lassen darf. Die wilde Tierwelt mit Nahrung zu versorgen ist per se nichts Schlechtes, aber auch nichts Gutes. Es kommt immer drauf an, was und wie viel man füttert und warum die gewollt oder notwendig wird. Wir sind der Meinung, dass es der Natur- und Menschenwelt durchaus gut tun kann, keine getrennten Welten zu leben, sondern in Harmonie miteinander. Damit die Tiere unter unserer ihnen angebotenen Ernährung nicht leiden, ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Nahrung artgerecht ist, sowohl in ihrer Zusammensetzung wie auch in der Dosis. Aber auch die künstliche geschaffene Nahrungsknappheit bei Vögeln durch Aufstellung von Futterstationen wieder “auszugleichen”, ist langfristig nicht zielführend, sondern darf eher als übergangsweise Notlösung zum Erhalt der Tierwelt gesehen werden.

Außerdem hier noch ein Denkanstoß: Warum füttern wir überhaupt Tiere? Bei Willi ging es -abgesehen vom Festhalten auf Film und Foto- darum, dass es für uns Menschen einfach etwas Fremdes ist, dass wir Tiere dieser Art überhaupt sehen können, insbesondere außerhalb der Gefangenschaft. Auch Schifffahrten zu Seehundsbänken werden gern gebucht. Für uns Menschen ist es etwas Besonderes, die Tierwelt “in echt” zu sehen. Würden wir uns nicht im Urlaub darauf beschränken, sondern im realen Leben mehr mit der Natur in Verbindung bringen, ohne sie dabei zu zerstören, dann wäre es für uns einerseits normal, andererseits kann man die Theorie in den Raum stellen, dass die Tierwelt mehr Vertrauen in uns hätte. Aber wie kann die Tierwelt uns vertrauen, wenn wir die Natur nur aufsuchen, um Wälder abholzen, Tiere vergiften (nachdem wir sie selbst mit unserer Lebensweise angelockt und Vermehrung gefördert hatten), Ultraschall in unseren Garten aufstellen, Unkraut aus unserem Golferrasen zupfen und mit Schiffsschrauben durchs Meer fahren? Die Fütterung von Tieren ist letztendlich nichts anderes als der verzweifelte, oft unterbewusste Versuch, Kontakt zur Natur herzustellen. Und damit wir diesen besonderen Moment nicht so schnell vergessen, machen wir noch Fotos davon. Damit wir während unseres naturfernen Arbeitsalltags daran denken können, ehe wir im neuen Jahr zur neuen Urlaubszeit wieder kurz in das Leben der Tier- und Pflanzenwelt reinschnuppern können. Desweiteren haben wir verlernt, Glücksgefühle beim reinen Beobachten zu empfinden. Wer sich darin übt, mit Beobachtung gleiche tiefe Dankbarkeit zu spüren und die Freude des Lebens, der hat gar keinen Bedarf daran, Tiere selbst füttern oder anfassen zu müssen. Es reicht, sich einfach hinzusetzen, den Geräuschen zu lauschen, die Gerüche wahrzunehmen und achtsam die Umgebung, die Tier- und Pflanzenwelt, zu genießen.

Das gilt übrigens auch für Häuser. Heutzutage sieht man nur noch eckige Betonklötze. Die Lehmhäuser, mit Reet bedeckt, sind sowohl für Sylt eine Attraktion, wie auch hier bei uns im Südburgenland in der sog. Kellergasse. Diese ökologische Bauweise ist derart selten geworden, nicht zuletzt aufgrund der Auflagen des “Denkmalschutzes”, dass Fahrten dorthin busseweise organisiert, umgesetzt und solche Gebäude fotografiert werden. Mit Fotos in der Tasche fährt man dann zurück in sein naturfernes Leben, mit der Erinnerung an diese wundervollen Häuser. Würden wir uns mehr an der Natur orientieren, wären solche Häuser keine Besonderheit, sondern Alltag.

Wenn wir also erwarten, Kegelrobben nicht mehr zu füttern, weil es dieser schadet, dann behandeln wir im Grunde nur das Problem. Die Ursache ist eine völlig andere. Würden wir uns allgemein dafür einsetzen, uns mehr mit der Natur zu verbinden, dann müssten wir keine ausgenommenen Fische im Übermaß kaufen, um damit Kegelrobben zu überfüttern. Wir könnten uns einfach in die Natur setzen und uns über diese freuen. Das mag für manche utopisch klingen, aber genau genommen müssen wir nur einen Blick in andere Kulturen/ Regionen schauen. Dort, wo Mensch und Tier noch scheinbar eine Einheit sind. Wenn wir Tiere schützen wollen, müssen wir uns im Alltag mehr mit der Natur verbinden und die Beobachterrolle wieder lernen. Nicht als Ausnahme im Urlaub, sondern im Alltag. 

Quelle: https://herz-fuer-tiere.de/wildlife/wildtier-lexikon/wildtierarten-mit-k/kegelrobbe sowie eingebundene Videos und eigene Texte

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