ūüí¨ Welche & wie viel Freiheit macht gl√ľcklich?

ūüí¨ Welche & wie viel Freiheit macht gl√ľcklich?

Wenig arbeiten macht frei? Viel arbeiten f√ľr finanzielle Freiheit? Oder ganz was anderes? Ein paar Worte dazu, gekn√ľpft an unsere eigene Erfahrung.

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Wie so manche von euch wissen, war ich 16 Jahre lang Angestellt in einer Schokoladenmanufaktur. In der Regel habe ich pro Woche 41 Stunden gearbeitet. Ich wurde √ľbertariflich bezahlt. Das h√∂rt sich gut an, wenn man aber bedenkt, dass der Tarif, also der Mindestlohn, bei 8,50 ‚ā¨ lag, reichte mein √ľbertarifliches Gehalt f√ľr ein gutes Halten meines Lebensstandards, es war jedoch kein Platz f√ľr gro√üe Ausfl√ľge, teure Urlaube oder dergleichen. Meine Freiheit war eingeschr√§nkt, denn zwar betrug ein Arbeitstag mindestens 8 Stunden, mit Fahrzeit dazu gerechnet war ich aber mindestens 9,5 Stunden aus dem Haus. Sofern die Z√ľge p√ľnktlich waren, denn von denen war ich abh√§ngig.¬†Direkt nach der Arbeit ging ich zum Kindergarten, denn dieser macht gleich zu. Das andere Kind war noch in der Schule.

Zuhause angekommen hatte ich einen riesigen Hunger, denn ich ging ohne Fr√ľhst√ľck aus dem Haus und verzichtete auf meine Mittagspause auf der Arbeit, um fr√ľher zuhause sein zu k√∂nnen. W√ľrde ich auf der Arbeit Pausen einlegen, w√ľrde ich entsprechend l√§nger aus dem Haus sein m√ľssen. Als erstes a√ü ich was zu Mittag, dann brauchte ich etwas Auszeit mit meinem Kaffee im Garten. Danach mussten die Kids Hausaufgaben machen und je nach Wochentag gingen sie ich zum Sport. Haushalt will noch erledigt werden und schon war der Tag auch wieder vorbei, es gab Abendessen, wir schauten damals anschlie√üend noch Nachrichten. Noch schnell unter die Dusche springen und bettfertig machen. Erst die Kinder, dann mich. Denn wenn ich so fr√ľh raus muss, endet mein Tag entsprechend fr√ľh am Abend. gemeinsame Zeit als Paar gab es somit kaum bzw. war beschr√§nkt auf die Abende, wo am Folgetag ich frei hatte. Aus Gewohnheit war ich abends aber fr√ľh so m√ľde, dass ich trotzdem nicht all zu lange durch hielt.

An meinen freien Tagen war wenig tatsächliche Erholung angesagt, denn an diesen Tagen plante mein Mann seine Aufträge als Selbstständiger außer Haus und ich wiederum erledigte die Wochenaufgaben im Haus an diesen Tagen.

Das Arbeitsleben war hart, aber sicher und durchgetaktet. Arbeitszeiten, Schulzeiten, Hausarbeit, Lern- und Sportzeiten, … alles war genau durchgeplant. Ich wusste, wann ich wie viel Geld erhalte, was wie viel kostet und konnte alle Einnahmen und Ausgaben fast perfekt kalkulieren. 

Aber so sicher dieses Arbeitsleben auch war, so gefangen f√ľhlte ich mich darin. Sehr oft fragte ich mich ‚ÄúIst das alles? Besteht das Leben aus arbeiten, aufr√§umen und Schularbeiten?‚ÄĚ Ich war zunehmend demotiviert, das Leben erf√ľllte mich nicht wirklich. Ich sehnte mich nach Freiheit. Nach mehr Zeit, nach mehr Flexibilit√§t. Nach mehr Entfaltung.¬†

Nachdem wir also seit 2003 bzw. 2004 auf der Insel Sylt beruflich t√§tig waren, wollten wir einen Neustart wagen. Einen Schritt ins Ungewisse, ‚Ķ und trotzdem gut geplant.¬† Wir zogen 2019, also 15 bzw. 16 Jahre nach einem klassischen Arbeitsleben, ins Nachbarland. Unsere F√§higkeiten, unsere bisherige Arbeit, sollte uns dorthin begleiten. Urspr√ľnglich geplant und teils tats√§chlich auch als Einzelunternehmen gestartet, wollten wir unseren Lebensunterhalt damit finanzieren. Jedoch flexibler und freier. Verschiedene Umst√§nde f√ľhrten dazu, dass wir letztendlich nach 2 Jahren hier uns auf die ehrenamtliche T√§tigkeit konzentrierten und die Kinder nun nicht mehr zur Schule gehen.

Ein Leben in Freiheit, so mag man denken. Doch mit Freiheit hat es wenig zu tun. Und wir merken wie so oft, dass unglaublich viele Menschen reden k√∂nnen, nicht jedoch wissen, wovon sie da eigentlich reden. Die einen beneiden uns um die Freiheit, die anderen werfen uns Faulheit zu. Die einen behaupten, Geld braucht man nicht zu Leben und die anderen werfen uns vor, schlechte Eltern zu sein, weil wir sie in die Armut zwingen. Die einen behaupten, wir w√ľrden ‚Äúlukrativ‚ÄĚ leben, andere werfen uns vor, wir w√ľrden schnorren und uns am Flei√ü anderer bereichern. Was aber alle verbindet, ist die stetige Suche nach Fehlern. Leider ist es¬† immer wieder ein Ph√§nomen, dass es so viele verschiedene Ger√ľchte gibt, aber keines davon tats√§chlich der Realit√§t entspricht.

Nun, wir sind absolut nicht faul. Aber wie jeder andere auch sind wir eben nicht f√ľr jede T√§tigkeit geeignet. Einen Fliesenleger kann man -als Beispiel- kaum an einen Computer setzen und einen Grafikdesigner kann man kaum als Dachdecker einsetzen. Manche eignen sich als Angestellte, andere k√∂nnen nur in F√ľhrungspositionen aufbl√ľhen, Jeder hat seine F√§higkeiten, ‚Ķ und auch seine Schw√§chen. Unsere Gesellschaft erwartet aber, dass jeder alles machen k√∂nnen sollte, w√§hrend die ‚Äúneue Welt‚ÄĚ gleichzeitig davon spricht, jeden so zu akzeptieren, wie man ist. Ein st√§ndiger Widerspruch eigener Erwartungen und dem tats√§chlichen Blick auf die individuellen Situationen.

Wir sind also heute an einem Punkt, wo wir rein objektiv betrachtet Freiheit genie√üen k√∂nnen. Wir leben nicht als Angestellte, uns kann also egal sein, wann wir aufstehen, wie lange wir wach bleiben, wann wir Pausen einlegen. Wir sind unabh√§ngig der Ferien, weil die Kinder ganztags zuhause sind. Wir haben viel Natur vor der T√ľr, k√∂nnen jederzeit raus gehen ganz frei von Zeitdruck oder Terminen. Wir k√∂nnen frei entscheiden, wann wir was und wie viel lernen, wie lange wir in der H√§ngematte schaukeln oder ob, was und wann wir im Garten machen. Es ist egal, zu welchen Zeiten wir essen, wann wir aufr√§umen.

Doch so sch√∂n all die Freiheit ist, auch sie hat ihren Preis. Ein Vermieter m√∂chte seine Miete haben, herumfahren bedarf Spritkosten, das Essen will bezahlt werden und digitale Vereinst√§tigkeiten bed√ľrfen Strom, Internetzugang und Technik. Unsere Tiere brauchen essen und teils Strom und selbst wenn das Thema Geld nicht w√§re, hat die Freiheit ihre Nachteile. Wenn jeder aufstehen kann wann er will, bedeutet es, dass jeder zu anderen Zeiten fr√ľhst√ľckt. W√§hrend zu festen Arbeits- und Schulzeiten man gemeinsam aufgestanden ist und gefr√ľhst√ľckt hat, so stehe ich zwar weiterhin zwischen 4 und 5 Uhr auf, der Rest der Familie trudelt aber zwischen 7 und 10 Uhr ins Wohnzimmer. Wenn ich also schon √ľberlege, was wir zu Mittag essen, hat ein Teil noch gar keinen Hunger, weil gerade gefr√ľhst√ľckt wurde. Das hei√üt nicht nur das gemeinsame Fr√ľhst√ľcken f√§llt aus, auch das Mittagessen ist stark zeitverz√∂gert. Und ohne Termindruck am Folgetag die Kinder ins Bett zu bringen, ist deutlich schwieriger, denn sie fragen nat√ľrlich nach dem ‚ÄúWarum‚ÄĚ.

Als Person im klassischen Arbeitsleben sieht man, was man geschafft hat. In meinem Fall habe ich gesehen, wie viel von den n√∂tigen Aufgaben ich erledigt habe, die Aufgabenliste ist am Ende eines Arbeitstages kleiner und das Regal an meinen produzierten Erzeugnissen war voller. Mein Arbeitstag bestand damals darin, t√§glich zwischen 500 und 1000 Tafelschokoladen herzustellen. Ab und zu bekam ich von Kollegen mal nette Worte zu meiner Arbeitsleistung, was mich nat√ľrlich freute und motivierte. Ich freute mich auf den Feierabend, auf das Wochenende und auf den Urlaub.

Heute arbeite ich weniger und das, was ich mache, sieht man kaum. Ich mache zwar Schokolade, aber deutlich weniger. Seltener pro Woche, weniger pro Arbeitsgang. Denn einerseits ist die Nachfrage extrem gering, insbesondere die Region scheint kein Interesse zu haben, andererseits ist der Verein nun einmal nicht gewinnorientiert, sondern gemeinn√ľtzig, sodass ich irgendwo auch bewusst aufpasse, in gemeinn√ľtziger T√§tigkeit und der Forschungsarbeit zu bleiben. Dass ich meine Ergebnisse notiere, sieht kaum einer. Die wenigen Videos, die ich f√ľr YouTube & Co mache, werden zwar angeschaut, doch Dislikes und die kurze statistische Zuschauerzeit sind nicht unbedingt motivierend. Ich mache es zwar irgendwo gerne und daher weiter, aber die Motivation, im Verein zu arbeiten ist deutlich geringer als im festen Arbeitsleben. Ich durfte feststellen, dass die Arbeit im Rahmen eines Vereins sehr viel Kritik ertragen muss, w√§hrend die Arbeit als Angestellte sehr viel mehr Anerkennung erh√§lt. Manche m√∂gen jetzt vielleicht denken, dass man bei einem guten Selbstwertgef√ľhl nicht auf die Anerkennung anderer angewiesen ist, nichts desto trotz m√∂chte ich ehrlich sein, dass ich Anerkennung als motivierend empfinde. Es macht einfach sehr viel mehr Spa√ü, wenn jemand sch√§tzt, was ich mache, als wenn jemand mir vorwirft, was ich mache. Und ich denke, so geht es jedem, nur wollen die meisten aus der Alternativen Szene einfach das nicht zugeben. Und falls es doch stimmen sollte: irgendwie macht es mich auch traurig, wenn mir Menschen erz√§hlen, dass sie mit Wertsch√§tzung nichts anfangen k√∂nnen, da sie sowas nicht brauchen. Das muss doch total traurig sein, wenn man die Zufriedenheit anderer Menschen als Resultat seines eigenen Wirkens nicht als solche sp√ľren kann, sondern einfach wertfrei so stehen l√§sst.

Dass die Kinder nicht zur Schule gehen, hat eine ganz wunderbare Seite. Ich kann die Kinder deutlich besser verstehen, kennen lernen, ich sehe ihre St√§rken und Schw√§chen, ihre F√§higkeiten und Potenziale. Vorher, im Arbeiterleben habe ich die schulischen Leistungen √ľberwiegend nur anhand der Korrekturen durch Lehrer deuten m√ľssen und die Kinder eigentlich kaum gekannt, da ich im Spagat stand zwischen ausreichend Erholung f√ľr mich von der Arbeit und dem Loslassen, damit die Kindern nach der Schule mit ihren Freunden spielen. Lediglich beim Abendessen und zu-Bett-bringen konnten wir wertvolle Worte wechseln, ansonsten waren es irgendwie parallele Welten. Die Eltern getrennt von den Kindern.

Heute sind alle drei Kinder zuhause, mit Ausnahme wenigen Stunden Kindergarten der J√ľngsten. Ich sehe, welche schulischen Leistungen sie gut beherrschen und welche ihnen Kummer bereiten. Und ich entdecke auch bei mir, wo in Sachen Homeschooling meine St√§rken und meine Schw√§chen liegen, um an mir selbst zu arbeiten. Die Kinder k√∂nnen zum Lernen aussuchen, wo sie Platz nehmen. Insbesondere zur warmen Jahreszeit genie√üen sie es, sich im Garten zu setzen und zwischen Blumen und V√∂geln ihre Aufgaben zu erledigen. Es macht mich gl√ľcklich, zu wissen, dass sie in Frieden selbstbestimmt lernen k√∂nnen, w√§hrend zeitgleich die anderen Kinder in Geb√§uden eingesperrt unter Kunstlicht dazu gezwungen werden, in einem vorgegebenen Tempo zu lernen mit Klassenkameraden, die sie nicht m√∂gen, mit sportlichen T√§tigkeiten, die nicht ihren St√§rken entsprechen und Lehrern, die ein interessantes Thema absolut langweilig erkl√§ren.¬†

Anders herum bedeutet Homeschooling auch, dass eben wir immer ‚ÄúFull House‚ÄĚ haben. Einen Hausputz zu machen, w√§hrend die Kinder im Haus sind, ist deutlich anstrengender als w√§hrend sie in der Schule sind. Und wer den ganzen Tag zuhause ist, verbraucht nat√ľrlich mehr Strom und macht mehr schmutzig, auch wenn man selbst mit anpackt. Ich habe keine Zeit f√ľr mich, ‚Ķ und auch keine Zeit als Paar. Rund um die Uhr sind die Kinder zuhause und fordern mich. Selbst wenn sie friedlich miteinander spielen, so stehe ich immer in Rufbereitschaft. Und wenn die Kinder ganztags zuhause sind, gibts auch mehr Streitigkeiten, zu welchen ich schlichtend einschreiten muss.¬†

Und auch wenn mir die Stimmen anderer egal sein sollten, so kann ich sie nicht √ľberh√∂ren. Auf der einen Seite wird mir vorgeworfen, wir seien schlechte Eltern, weil Kinder in die Schule geh√∂ren, auf der anderen Seite stellen sich so manche das Leben wie unseres so einfach und friedlich vor.

Aber wie so oft ist es eben nicht so. Ich durfte f√ľr mich feststellen, dass das Leben aktuell extrem langweilig und unterfordernd ist. Den ganzen Tag nur zwischen W√§sche, Haushalt, Schularbeiten und Kinder zu stehen ist f√ľr mich unterfordernd. Nicht unterfordernd, weil es nichts zu tun gibt, sondern unterfordernd, weil ich darin nicht wachsen kann.
Und all die ganze B√ľroarbeit, welche f√ľr die Vereinsarbeit im Hintergrund n√∂tig ist, ist auch nicht gerade f√∂rderlich f√ľr eine gute Stimmung. Es ist n√∂tige Arbeit, wo ich im Prinzip auch kein Problem habe, aber sie ist einfach extrem langweilig und man sieht keinen Fortschritt. Denn, als Beispiel, wenn ein neues Vereinsmitglied dabei ist und ins System eingetragen werden will, so tritt auf der anderen Seite jemand aus, der entsprechend ausgetragen werden will.¬† Und w√§hrend ich mich auf der einen Seite zwar freue, Schokolade gie√üen zu k√∂nnen, so macht es mich auf der anderen Seite traurig, wenn abgelaufene Tafeln trotzdem Realit√§t sind. Das hei√üt, selbst eine kleine Menge produzierter Tafeln f√ľhrt am Ende dazu, keine Abnehmer zu finden, obwohl wir schon recht viel auch verschenken. Aber wir k√∂nnen auch nicht alles verschenken, denn die schokoladige T√§tigkeit bringt ihre Kosten mit sich. Und als gemeinn√ľtziger Verein wollen wir nicht nur die Kosten decken, sondern auch das und andere Projekte f√∂rdern, das hei√üt Fortschritt, Forschung, Wachstum und Entwicklung erm√∂glichen.

Wie so manche von euch wissen, schl√§gt mein Herz au√üerdem f√ľr meine Griechischen Landschildkr√∂ten. Ich liebe diese Tiere und ich liebe das mediterrane Freigehege. Damit ich das genie√üen kann, muss das Gehege entsprechend gestaltet sein. Leider ist es mir hier in √Ėsterreich nicht gelungen, dies f√ľr mich zufriedenstellend zu tun. In erster Linie mangelt es an Geld, denn ich war eigentlich in der Hoffnung, durch die Investition unserer Gelder in u.A. das Schokoladenprojekt, daraus etwas Gr√∂√üeres zu machen. Und nun ist mein Gehege nicht nur langweilig, sondern stimmt mich traurig. In Deutschland, als Beispiel, war ich flei√üig dabei, die zwei Tonnen Steine ins Gehege zu schleppen und daraus ein mediterranes Flair zu schaffen. Hier liegen nun mehrere Tonnen Steine im Garten, aufgrund der Hanglage ist es aber f√ľr mich unm√∂glich, die Brocken zu transportieren, auch mit Schubkarre geht es nicht. Es bedarf technische Hilfe, die wiederum Geld kosten. Geld, welches wir nicht haben, weil die ehrenamtliche T√§tigkeit nicht so viel Wert ist, weil gleiche Arbeit in einem Unternehmen.¬†

Warum nenne ich das Beispiel mit den Steinen? Weil es vieles symbolisiert. Das eine ist die Kraft, die in mir steckt, wenn ich die richtige Motivation habe, ‚Ķ aber eben auch Hilfsmittel, um es umzusetzen. Aber auch die Entwicklung. Ergebnisse. Steine zu schleppen bedeutet, dass sie an dem Ort, wo man sie hin legt, liegen bleiben. Man sieht, was geschafft wurde. Und man sieht es morgen auch noch. Und der Muskelkater symbolisiert, dass man auch sp√ľrt, was man schafft. Schmerz zu ertragen ist nicht schlimm, sofern man das, was man tut, aus dem richtigen Antrieb heraus tut.

Ich habe kein Problem damit, Schmerz zu ertragen. Aber ich muss wissen, wof√ľr ich es mache. Ich habe die drei Jahre, wo ich hier wohne, viel Schmerz ertragen. Allerdings seelischen Schmerz und Schmerz ohne Fortschritt und ohne Ergebnis. Ich dachte, durch diesen Schmerz durchzugehen w√ľrde mich weiter bringen. Aber ich habe gemerkt, dass nicht jeder Schmerz und jedes Verlassen der Komfortzone mich wirklich weiter bringt. Mancher Schmerz und manches Verlassen der Komfortzone wirft zur√ľck. Das ist etwas, was ich lernen durfte.¬†

Die eigene Komfortzone zu verlassen, Schmerz zu ertragen und weiter zu gehen funktioniert nur, wenn man einen inneren Antrieb hat. Und zwar nicht Glaube und Hoffnung, sondern es gleicht einem Wissen. Zu wissen, dass das, was man tut, richtig ist. So wie bei den Steinen. Wenn ich Steine schleppe, weiß ich, dass ich Muskelkater bekomme, dass ich schwitze. Ich weiß nicht, wie genau das Ergebnis aussieht, aber ich weiß, dass es gut wird. 

Heute lebe ich an einem Lebenspunkt, wo ich gemerkt habe, seelischen Schmerz ertragen zu haben, jedoch einen falschen Weg gegangen zu sein. Und nun sehe ich das Ergebnis: Ich f√ľhle mich kraftlos, leer, einsam, unverstanden, demotiviert, wertlos und unter Armut leidend. Ich f√ľhle mich nicht frei, sondern gefangen. Freiheit h√§ngt nicht davon ab, was man arbeitet, sondern es ist ein Mix aus dem Beweggrund, warum man was macht und der finanziellen Situation. Geld zu verdienen ist wichtig, aber ich pers√∂nlich brauche so einen guten Verdienst, dass ich nicht nur alle Kosten decken kann, sondern auch investieren, weiter entwickeln und was g√∂nnen kann. Damit ich gl√ľcklich bin, brauche ich eine Arbeit, die mir Freude bereitet, jedoch nicht die meiste Zeit des Tages beansprucht. Mit anderen Worten: Freiheit hat nicht nur mit Zeit zu tun. Freiheit bedeutet auch, innerlich frei zu sein und finanziell frei zu sein. Wie hoch das Einkommen sein sollte, wie viel Freizeit man wirklich braucht und was einem genau wichtig ist, h√§ngt von jedem selbst ab. F√ľr mich bedeutet Freiheit, ein gro√ües Haus mit gro√üem Garten zu besitzen an einem festen, sicheren Ort im S√ľdburgenland und mehr Geld zu verdienen, als zu brauchen. F√ľr andere bedeutet Freiheit, unabh√§ngig vom Standort zu sein und mit Wohnmobil durch die Welt reisen zu k√∂nnen. F√ľr die einen bedeutet Freiheit Minimalismus, f√ľr die anderen bedeutet Freiheit Reichtum.¬†

F√ľr mich bedeutet Freiheit ein gesunder Mix zwischen Arbeit und Freizeit und ausreichend finanzielle Mittel zum Leben zu haben. Genaue Summen m√∂chte ich an dieser Stelle nicht nennen, da es nur wieder Toren √∂ffnet f√ľr negative Diskussionen ohne Hand und Fu√ü.¬†

Ich habe gelernt, dass das Arbeitsleben zwar zum Teil finanzielle Freiheit ermöglicht, Struktur und Anerkennung, nicht jedoch zeitliche Freiheit und Flexibilität. Das Leben außerhalb klassischen Arbeitsleben ermöglicht zwar freie Zeiteinteilung, schränkt jedoch auf finanzieller Ebene und somit an den Möglichkeiten ein, denn selbst ein autarkes Wohnmobil muss Versicherung, Sprit und Standplatz bezahlen. 

Ich habe f√ľr mich gelernt, dass das Leben ohne ‚Äúrichtige‚ÄĚ Arbeit unterfordernd ist. Es ist extrem langweilig, ohne Anerkennung, ohne Struktur, und lebend an der Armutsgrenze absolut depressiv macht. Es gibt bestimmt Leute, die genau das zum Leben brauchen, aber f√ľr mich ist das nichts. Allein die Tatsache, dass w√§hrend des Schreibens dieser Zeilen mein j√ľngstes Kind neben mir sitzt, etliche Male meine Aufmerksamkeit forderte und ich nicht am St√ľck konzentriert schreiben konnte, ist eine gro√üe Einschr√§nkung in meiner Freiheit. Ich kann nichts allein machen, nicht schreiben, nicht lesen, keinen Kaffee allein trinken, keine Schokolade machen, keine B√ľroarbeit, keine Gartenarbeit. Ich habe schon ewig keine ‚ÄúErwachsenenfilme‚ÄĚ mehr geschaut, einfach, weil rund um die Uhr die Kinder bei mir sind. So sch√∂n Kinder auch sind, aber mir fehlen Erwachsene. Und zwar keine Erwachsenen, die √§hnlich Sorgen haben wie ich, wo man sich gegenseitig in Negativschleifen reden kann oder die unter Freundlichkeit getarnt nach Fehlern suchen, sondern Erwachsene, die sich gegenseitig aufbauen, verstehen, motivieren, wertsch√§tzen und akzeptieren. Gemeinsam herzhaft zu lachen, sich auf etwas zu freuen, vor freudiger Aufregung kaum einschlafen zu k√∂nnen, all das geht verloren, wenn man nicht seinem Herzen folgen kann.¬†

Was möchte ich euch mit diesen Zeilen sagen?
Es ist nat√ľrlich nur ein Einblick in mein eigenes Leben und l√§sst sich nicht auf jeden √ľbertragen. Was jedoch wichtig f√ľr mich, ist die Botschaft, dass nicht jedes Leben so einfach ist, wie man sich das vorstellt. Es wird gern nach Fehlern gesucht, gel√§stert und mit Vorw√ľrfen um sich geschmissen, aber l√∂sungsorientiert nach vorne geschaut oder die tats√§chliche Realit√§t angeschaut, f√§llt vielen schwer.¬†

So manch einer mag sagen, dass man an seinen Glaubenss√§tzen arbeiten soll, um der zu werden, der man sein will. Aber ich kann euch folgendes sagen: die innere Arbeit macht nur so viel Sinn, wie sie auch zu euch passt. Sich zu verbessern ist ein guter Ansatz, wenn man dadurch aber ein anderer Mensch werden will, ist es letztendlich nur die Nichtakzeptanz des aktuellen Selbst und das ist ein falscher Ansatz. Sich selbst zu bek√§mpfen macht nicht gl√ľcklich und f√ľhrt auch nicht zum Erfolg. Als erstes beginnt die Selbstliebe, und daraus folgt die Optimierung.¬†

Menschen k√∂nnen nur dann gl√ľcklich sein, wenn sie den f√ľr sich wichtigen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit finden. Wie viel man arbeitet und wie viel Freizeit oder Pausen man braucht, l√§sst sich nicht pauschalisieren, da jeder andere Priorit√§ten hat. Aber es ist verdammt wichtig, seinem eigenen Weg treu zu bleiben. Die Komfortzone zu verlassen macht keinen Sinn, wenn man dazu seinen eigenen Weg verl√§sst, es sei denn man m√∂chte genau das. Um seinen Weg treu bleiben zu k√∂nnen, kann Wertsch√§tzung ein wertvoller Begleiter sein. Es ist daher von gro√üem Vorteil, Menschen um sich herum zu haben, die einen so akzeptieren wie man ist und motivieren. Um seinem Weg treu zu bleiben, bedarf es in vielen F√§llen finanzielle Unterst√ľtzung, ‚Ķ und dies muss man in vielen F√§llen durch Schaffen eines Wertes, meist im Sinne einer Arbeit, verdienen. Wenn man aber so viel arbeitet, dass keine Zeit bleibt, das Geld auszugeben, erf√ľllt es nicht. Selbst wenn die Arbeit die Berufung ist, braucht es einen Ausgleich in Form von Ruhe, Freizeit und R√ľckzug.¬†

In meinem Fall ist es folgendermaßen:

Ich liebe meine Arbeit, ich liebe die Region, ich liebe meine Familie, ich liebe meine Tiere und ich liebe das Leben in gro√üem Haus mit gro√üem Garten. Aber ich habe mich auf einen falschen Weg gegeben, das Verh√§ltnis zwischen Arbeit und Freizeit, Familienzeit und Auszeit, Garten- und B√ľroarbeit passt nicht mehr. Umgeben von demotivierenden Menschen ist es kein Wunder, dass ich heute unter Armut leidend depressiv unstrukturiert jeden Morgen in den Tag starte, kraftlos wartend auf Wunder. Es ist sehr traurig, dass ich heute an dem Tiefpunkt stehe, wo ich stehe. Aber vielleicht ist genau dieser Tiefpunkt wichtig, um wieder zur√ľck auf meinen Weg zu kommen. An einen Ort, der zu mir passt, mit meinen Tieren und Familie, damit ich dort meine Arbeit in dem Ma√üe ausleben kann, um damit ausreichend Geld f√ľr die finanzielle Freiheit verdienen zu k√∂nnen, um mir Investitionen leisten zu k√∂nnen, damit nicht nur ich wachsen kann, sondern auch die mich umgebenden Menschen und Tiere davon profitieren.¬†

Ich kann daher nur jedem empfehlen, bei jeder Art von Tiefpunkt darauf zu schauen, inwieweit man seinen eigenen Pfad verlassen hat und ob es vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt ist, dorthin zur√ľck zu kehren. Auch auf dem eigenen Pfad gibt es Steine und Verletzungen, aber man kann sie besser verkraften, weil die Belohnung, das Ziel, das Ergebnis, der Fortschritt und die pers√∂nliche Entwicklung im Innen und Au√üen diesen Schmerz ertr√§glich macht. So wie die Wehen zur Geburt kein Zuckerschlecken sind, aber jeder, der eine nat√ľrliche interventionsfreie Geburt erlebt hat, wei√ü, wie tief erf√ľllend es ist, dies durchgestanden zu haben.¬†

Also liebe Leute, schaut, dass ihr eurem Weg treu bleibt und dass euch die Menschen umgeben, die euch gut tun. Schaut, dass ihr einen Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit schafft, welcher euch gut tut und schaut, ob die inneren Grenzen eure sind oder die eures Umfelds. Trennt euch von dem, was euch nicht gut tut und h√∂rt auf, st√§ndig auf Fehlersuche bei anderen zu gehen. Andere zu akzeptieren wie sie sich ist nicht nur f√ľr euch selbst entspannend, sondern auch f√ľr die betroffenen Menschen.¬†

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Reich ist man nicht durch Besitz, sondern durch das, was man mit W√ľrde zu entbehren wei√ü.¬†

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