Logo der BewusstSEINsHelden rein blau

Projekt Vereinscafé

In diesem Projekt wurde das Planen und Führen eines Vereinscafés erforscht.

Projekt Vereinscafé

In diesem Projekt wurde das Planen und Führen eines Vereinscafés erforscht.

Ähnliche Kategorien

Projekt Vereinscafé

Während der Zeit von Herbst 2021 bis Spätsommer 2022 war das “Projekt Akademie Elysion” auf dem Gelände des Krumphofs aktiv, auf welchem auch das “Projekt Vereinscafé” starten konnte. 

Als Vereinscafé wurde ein als sonst konventionelles Café bekanntes Projekt erprobt und erforscht, die sich auf Herstellung und Anbieten von Torten, Kuchen, Gebäck, Getränken und süßen wie herzhaften Gerichten erstreckt, wie Ablauf, Angeboten, Öffnungszeiten, Buchhaltung und vieles mehr visioniert und gelebt wurde. Dabei sollte es den Forschungsmitgliedern zugesichert sein, sich auf den zur Verfügung gestellten Plätzen zu entfalten und ihrem kreativen Wirken vollen Lauf zu lassen, gleichgültig für welche Ernährungsprinzipien oder sonstigen mit dem Projekt verbundenen Richtungen und Aufgaben sich ein Teilnehmer oder Teilnehmerin oder eine Gruppe entschieden haben mag. Ebenso sollte der Gestaltung des Innenbereichs, Küchenbereichs sowie Außenbereich keine kreative Grenze gesetzt sein, um sowohl den aktiv mitwirkenden Forschungsmitgliedern als auch denen, die die Erzeugnisse und die Räumlichkeiten in Anspruch nehmen, bestmögliche Entfaltung zu ermöglichen.

Die “Hüter des Projekts” waren Felix und Ines. Sie legten lediglich die Rahmenbedingungen fest, einen neutralen Einrichtungsstil zu verwenden und das Angebot für “jedermann” zu gestalten (d.h. nicht nur vegan, nur zuckerfrei, nur vorbildlich o.Ä.) und somit (auch) die “normale Gesellschaft” anzusprechen. Außerdem war ihnen ein gepflegtes Erscheinungsbild wichtig, d.h. sauber, begrünt und dekoriert und frei von privaten Dingen während der Öffnungszeiten.

Was sollte erforscht werden?
Es sollten die Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele nicht nur der Mitwirkenden erforscht werden, sondern auch derer, die die Erzeugnisse und Räumlichkeiten in Anspruch nehmen als auch die finanzielle Aufgabe, um mit den Einnahmen gemäß der Vereinsstatuten gemeinnützig orientiert zum Wohle aller umzugehen, die Einnahmen dienten dem Erhalt und Ausbau des Cafés sowie zur Förderung der mitwirkenden Fördermitgliedern und Präsidenten. Die Auswirkungen sollten in Form von Erfahrungsberichten gesammelt, dokumentiert, erforscht und die Forschungsergebnisse ausgewertet werden. 

Forschungsergebnisse

Aus organisatorischen Gründen und Unstimmigkeiten der vor Ort und von außerhalb mitwirkenden Menschen startete das Projekt erst am 1.03.2022. Bis dahin wurden die Räumlichkeiten bevorzugt als Gemeinschaftsraum genutzt für die vor Ort wohnenden Menschen, da temperaturbedingt das ganztägige Verweilen in Wohnmobilen und Wohnwägen als unzumutbar gewertet werden konnten. Lediglich an einem Adventswochenende 2021 öffneten wir die Türen für Jedermann zum Kennenlernen des Vereins, seinen Projekten und zum Verweilen bei Kaffee, Kuchen und Schokolade.

Das Vereinscafé wurde initiiert von Ines und Felix, welche als Konditor aus der Branche ihr Herzblut für ein kleines Vereinscafé mitbrachten und bereits seit einigen Jahren fertige Konzepte für Caféführung vorliegen hatten. Nun galt es, die bereits vorhandenen Konzepte für ein konventionelles Café insoweit zu verändern und zu verbinden mit einem gemeinschaftlichen Miteinander, dass die eigenen Werte aufrecht erhalten bleiben, jedoch aus einem Chef-Angestellten-Verhältnis nun ein vereinsbasiertes gemeinsames Wirken und Entscheiden aller gelebt werden kann, wobei es keine Rolle spielen sollte, ob oder über wie viel Erfahrung oder Berufung jeder Einzelne verfügt. Dieses “neue Konzept” sollte erprobt werden, da das Miteinander auf Augenhöhe die “neue Welt” als Ideal darstellt. 

Die Finanzierung stämmte sich bei der Erstinvestition aus Fördergeldern der Vereinskasse. Nach der Erstinvestition wurde in erster Linie die separate Café-Kasse verwendet. Die Erzeugnisse hatten keine klassischen festgelegten Preise, sondern das Motto “zahle, was es dir Wert ist”. Am häufigsten griffen die Besucher zu Kaffee, Zitronenkuchen und Bier. Man kann rückblickend festhalten, dass sich die frei gewählten Förderbeiträge ähnlich verhalten wie im “normalen” Café, wenn auch leicht reduziert. Es gab manche, die zahlten wenig, manchmal schon fast unverschämt wenig, es glich sich aber hingegen durch großzügige Beiträge anderer wieder aus. Die Erstreaktion auf die Selbstbestimmung der Preise war oft verwirrend und überfordernd, wurde dann aber positiv angenommen. Die Einnahmen kamen, wie es das Projekt und die Vereinsstatuten vorsahen, dem Projekt uns seinen Mitwirkenden zugute. Ein gewinnorientierter Gewinn war weder erwünscht noch erzielt.

Mit dem Zusammenspiel der Mitwirkenden und ihren unterschiedlichsten Beweggründen, ihrem “Feuer”, Werten und Erfahrungen wurde sowohl über die Einrichtung wie auch über die Speisekarte viel diskutiert. Klassische Werte von “wertfrei”, “bedingungsloser Liebe”, “Respekt” und “Akzeptanz” wurden schnell zu allerlei Triggerpunkten. Auch wenn die Grundwerte die gleichen waren, so war die Umsetzung und Vorstellung von Dekoration, Buchhaltung, Pflanzenpflege, Marketing, Gästebetreuung und Sauberkeit sehr unterschiedlich vertreten. Die Kommunikation war mangelhaft, es gab viele Missverständnisse und Unzufriedenheiten. Letztendlich setzte sich zwar eine eher schlichte Dekoration, die Öffnungszeiten am Wochenende und die Verteilung kleiner Arbeiten durch, allerdings waren alle Beteiligten überwiegend mit Gefühlen belastet, welche weder ihnen selbst noch der Gemeinschaft gut taten. Auch die Vermischung dessen, ob, wann und wie lange man sich “privat” dort aufhalten “darf”, schaffte allerlei Diskussionspunkte. Und zu guter letzt wurde die Tätigkeit eines ehrenamtlichen Mitwirkenden im Verein oft missverstanden, es gab viele Vorwürfe, der Verein würde kostenlos “Sklaven” dort arbeiten lassen. Das stimmt natürlich nicht, denn jeder konnte frei entscheiden, wie oft und wie viel jemanden wann mitwirken möchte und es wurde klar kommuniziert, dass es einer ehrenamtlichen Tätigkeit entspricht ohne Vergütung. Eine Förderung seitens des Vereins an Mitwirkende (was ja eines der Ziele des Vereins ist) funktioniert nur dann, wenn ausreichend Möglichkeiten, Menschen und Gelder zur Verfügung stehen. Die Förderung wurde, verbunden mit Erwartungshaltung, nicht dem gerecht, was erstrebt wurde. Widersprüche sorgten für allerlei negative Stimmung. Auf der einen Seite möchten Menschen in der “neuen Welt” frei und nicht “vom System abhängig” sein, auf der anderen Seite sind sie mit Selbstbestimmung überfordert und erwarten eine klassische Bezahlung. Gegenseitige Schuldzuweisungen stellten sich als alltäglicher Begleiter dar.

Letztendlich beschlossen wir gemeinsam, das Projekt eines Vereinscafés aufgrund mangelnder Gästezahlen, mangelnden “Feuers” und zunehmender Unzufriedenheit zum 31.7.2022, nach Abschluss des Freien-Netzwerk-Wochenendes, zu beenden. Die Räumlichkeiten wurden geräumt, gesäubert und in den anfänglichen Ist-Zustand wieder hergestellt. 

 

Unser persönliches Fazit:
Es ist enorm wichtig, dass diejenigen, die an einem Projekt beteiligt sind, dies aus dem wahren Beweggrund der Freude und des inneren Feuers tun. Jemand, der nicht über dieses Feuer oder zumindest einer Glut verfügt, kann auch kein Feuer entfachen. Dass man mal reinschnuppern möchte, ähnlich wie beim Praktikum, stellt kein Problem dar, ein dauerhaftes Mitspracherecht ohne dieses Feuer ist jedoch weder empfehlenswert noch zielführend noch hebt es die Stimmung. Im Gegenteil, es senkt die Stimmung bei allen Beteiligten, wenn “jeder” ein Mitspracherecht hat. 
Desweiteren stellt sich heraus, dass “alle-sind-auf-Augenhöhe” nicht funktionierte. Dass das “System” einen Chef und seine Angestellten hat und auch in der Tierwelt es bei Rudeltieren ein Alpha Tier gibt, bestätigt uns, dass es (zumindest zum heutigen Stand) besser funktioniert, wenn jemand in einem Projekt die Hüterschaft übernimmt. Es braucht Menschen, die das Grundprinzip eines Projekts erkennen, leben, dafür brennen und darauf achten, dass dies umgesetzt wird. Nicht falsch verstehen, es bedeutet nicht, dass man “Angestellte” hat, sondern dass man jemanden braucht mit klarem Ziel und Durchsetzungsvermögen, damit all jene im Projekt ebenfalls dafür brennen und jene, die dem Projekt nicht dienlich sind, eine andere Aufgabe erhalten, in welcher sie (besser) aufblühen und somit sich selbst wie auch der Gemeinschaft weiterhin, aber außerhalb dieses Projekts, dienlich sind. Das klare Aufzeigen von Rahmenbedingungen und Einhalten derer sind wichtig. Ein pures wir-sind-eine-Gemeinschaft-und-jeder-darf-überall-mitreden-und-mit-entscheiden ist aus unserer Sicht ein reines Wunschdenken zur aktuellen Zeit. Es mag sein, dass es in anderen Kulturen oder mit anderen Menschen (z.B. externen Beratern) funktioniert, in unseren Projekten wiederholten sich die Muster jedoch überall. Ohne Hüter einer Vision und Einstehen dessen und ohne Berufung und Leidenschaft für ein Projekt, sind weder das seelische Wohlbefinden noch das Gemeinschaftswohl gesichert. 
Sollte ein solches Projekt erneut starten, würden wir daher die Rahmenbedigungen für ein Vereinscafé insofern verändern, dass nicht “jeder” mitwirken und mitbestimmen darf, sondern nur jene, welche mit Herzblut und aktiv für das selbe Grundprinzip stehen und somit alle gemeinsam, jeder in seiner festgelegten Rolle, am gleichen Projekt mitwirken und der/die Hüter/in darauf achtet, dass dies so bleibt. Unstimmigkeiten gehören geklärt und aus dem Weg geräumt, statt einfach nur darauf zu warten, dass es sich von allein bessert. 

Beitrag teilen und weiterempfehlen

Telegram
Twitter
Facebook
WhatsApp
Pinterest
Email

Dir gefällt diese Seite?
Reich ist man nicht durch Besitz, sondern durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß. 

Beitrags Vorschlag

Schreibe einen Kommentar

BETA Phase 2.3 • Seite im Aufbau  72%

Werde Fördermitglied, 
um die Suchleiste zu aktivieren.

© 2019- 2023 BewusstSEINsHelden
ZVR-Zahl 1902577008